Vogel des Jahres - LBV Kempten-Oberallgäu

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Aktuell
letztes Update: 07.05.2018 / 09:20
Aktuell / Vogel des Jahres
Vogel des Jahres 2018
Der Star (Sturnus vulgaris)

Email Facebook Twitter Google

Aussehen
Wer den Star einmal im Frühjahr und dann wieder im Herbst betrachtet, könnte denken zwei verschiedene Vögel gesehen zu haben. Im Frühling zeigt sich der Vogel des Jahres in einem schwarzen Gefieder, das je nach Lichteinfall metallisch grün, blau oder violett glänzt. Vor allem auf der Oberseite der Weibchen verzieren kleine helle Punkte ihr Prachtkleid.

Beide Geschlechter haben zur Brutzeit einen auffällig gelben Schnabel, dessen Basis beim Männchen unten hellblau und bei der Starendame leicht rötlich ist. Jungvögel sind in ihrem ersten Fluggefieder einheitlich graubraun. Im Spätsommer mausern sich die Stare. Ihr sogenanntes Schlichtkleid ist jedoch gar nicht langweilig, sondern mit einem regelrechten Perlmuster überzogen. Es stammt von den weißen Spitzen der sonst dunkelbraunen Federn. Auch der Schnabel ist nun bei Jung- und Altvögeln dunkel. Im Laufe des Herbstes und Winters nutzen sich die Federn ab, werden dunkler und die weißen Punkte verschwinden. Pünktlich zur neuen Brutsaison schillern die Vögel wieder in elegantem Schwarz mit prächtigen Glanzeffekten.
Stimme
Wenn der Star dann über uns in den Bäumen sitzt und versucht einem Weibchen zu imponieren, erkennen wir seinen Gesang nicht unbedingt sofort. Statt einer melodischen Abfolge von Tönen gibt der Starenmann eine Reihe von pfeifenden, zischenden, gepressten und schnalzenden Geräuschen von sich. Die Töne sind unterschiedlich laut und sehr variationsreich.

Sein Schnabel bewegt sich dabei nicht viel und er wirkt so fast wie ein Bauchredner. Dies gipfelt in seiner Fähigkeit, andere Vogelstimmen oder Umgebungsgeräusche perfekt zu imitieren und in seinen Gesang einzubauen. So blickt sich mancher in der Stadt nach einer Kohlmeise, Polizeisirene oder sogar einem Handyklingeln um und kann nichts dergleichen entdecken – bis auf einen Star im Baum.

Lebensweise
Oft tippeln die geselligen Vögel in kleinen Gruppen auf kurzrasigen Wiesen und Weiden herum, wo sie gut an Regenwürmer und Bodeninsekten herankommen. Mit ihrem kräftigen Schnabel stechen die findigen Tiere Löcher in den Boden, die sie durch das anschließende Öffnen des Schnabels vergrößern. Nun spähen sie mit seitlich gerichtetem Blick in das Loch und laufen darum herum, um ihre Beute zu erhaschen. Dieses Verhalten wird „zirkeln“ genannt. Wenn Rinder oder Pferdeweiden, sitzen Stare auch gern auf diesen Tieren und freuen sich über Fliegen und Zecken auf deren Haut.

Sind im Frühsommer die ersten Jungvögel ausgeflogen, bilden sich bereits größere Trupps. Kleingärtner und Obstbauern rüsten sich dann, um ihre Kirschbäume vor den hungrigen Staren zu schützen. Denn das verlockende Angebot an Früchten ergänzt nun die tierische Nahrung.
Brut
Wohngebäude oder Stallungen bieten Staren beliebte Brutplätze, so etwa unter den Dachgauben. Selbst Laternen sind als Herberge für die Nester gefragt, wenn sie denn ausreichend große Hohlräume besitzen. Auch Nistkästen bezieht unser Gesangstalent sehr gern, sofern das Einflugloch passt. Hat das Starenmännchen den geeigneten Nistplatz gefunden, füllt er die Höhle mit grobem Nistmaterial wie trockenen Blättern, Halmen oder Wurzelresten. Mit gesträubtem Gefieder und leicht abgespreizten Flügeln sitzt unser Jahresvogel dann oft direkt vor dem Loch und macht mit charakteristischen Lauten seinem Namen alle Ehre. Ist die Höhle vom Weibchen akzeptiert worden, baut sie das neue Heim weiter mit feinerem Pflanzenmaterial aus.

Die Paarbildung und das Brutverhalten ist beim Star eine ziemlich komplexe „Beziehungskiste“. Einige Stare sind monogam, also nur mit einem Weibchen verpaart. Andere hingegen haben mehrere Vogeldamen gleichzeitig. Da Stare oft zweimal im Jahr brüten, nutzen viele die Gelegenheit nach der ersten Brut den Partner zu wechseln.

Dies ist besonders häufig, wenn die erste Brut nicht erfolgreich war. Spät geborene Jungvögel stammen vor allem aus solchen Verbindungen. Nach der Paarung bleibt das Männchen dicht beim Weibchen, damit sie sich nicht etwa mit einem Konkurrenten paart.

Stare haben keine eigenen Reviere. Vielmehr mögen sie es dort zu brüten, wo sich auch andere Paare niedergelassen haben. Ein Starenpaar verteidigt zwar seinen Brutplatz, aber schon das weitere Umfeld wird gemeinsam zur Nahrungssuche genutzt.
Nachdem der Star im März seine Nisthöhle bezogen hat, brütet das Weibchen ab Anfang April allein.

Aus vier bis sechs weißlich bis hellblau-grünen Eiern schlüpfen nach 12 bis 13 Tagen die Jungen. Wie alle Singvögel sind Starenküken Nesthocker, werden also von den Vogeleltern drei Wochen im Nest gefüttert, bis sie flügge sind, und dann noch maximal vier Tage außerhalb der Behausung. Ende Juli ist die Brutzeit beim Star vorbei.
Nahrung
Die Nahrung des Stars ist abhängig von den Jahreszeiten und sehr vielseitig. Im Frühling findet er ausreichend Kleintiere in dem noch lockeren Boden. Vor allem die Jungen sind auf energiereiche Proteine angewiesen, die ihnen emsige Stareneltern in Form von Regenwürmern, Spinnen, Tausendfüßern, Schnecken sowie diversen Insekten wie Schnakenlarven, Käfern oder Heuschrecken anbieten.

Im Laufe des Sommers bereichert immer mehr pflanzliche Nahrung die Starenkost. Verschiedene Früchte und Beeren, aber auch Samen stehen nun auf dem Speiseplan.

Einige Stare überwintern bei uns und sind dann auch an Futterstellen zu finden, wo sie vor allem Nüsse sowie Weichfutter vertilgen und gegen andere Vögel verteidigen.
Lebensraum
Parallel zur Verstädterung Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich der Star auch im urbanen Raum an den Menschen angepasst.

Heute stellen Parks und Friedhöfe mit ihren zum Teil alten und höhlenreichen Bäumen sowie den kurzrasigen Wiesen wichtige Ersatzlebensräume dar. Auch an Gebäuden nutzt unser Jahresvogel Hohlräume zum Brüten. Jeder Garten- oder Hausbesitzer kann der Wohnungsnot des Stars mit einem Nistkasten begegnen.

Gärtnern ohne Pflanzenschutzmittel und Insektizide sowie Beeren tragende Gehölze verhelfen dem Star zu ausreichend Nahrung.
Bestand
Der europäische Starenbestand wird auf 23 bis 56 Millionen Brutpaare geschätzt.

Mit 2,8 bis 4,5 Millionen Paaren leben etwa zehn Prozent davon in Deutschland. Und dennoch ist der schillernde Geselle ein typisches Beispiel für den stillen Rückgang unserer „Allerweltsvögel“. Bis 2015 galt er als ungefährdet, steht seit 2016 jedoch in der Roten Liste in Kategorie 3 – gefährdet.

Heute brüten etwa zwei Millionen Staren-Paare weniger in Deutschland als noch vor zwanzig Jahren.

Hilfe für den Star

NATURNAHER LEBENSRAUM
Dem Star geht es gut, wenn er eine nahrungsreiche Landschaft mit sicheren Brut- und Rastplätzen vorfindet. Monokulturen und Pestizide jedoch schaden unserem Jahresvogel und vielen anderen heimischen Tieren zunehmend. Deshalb fordern wir eine naturverträgliche Land- und Weidewirtschaft. Extensiv genutztes Grünland bietet vielen Pflanzenund Insektenarten einen gesunden Lebensraum.

TIERE AUF DER WEIDE
Auch eine artgerechte Nutztierhaltung hilft unserem geselligen Multitalent: Stehen Rinder oder Schafe wieder mehr auf der Weide statt in abgeriegelten Riesenställen, lockt ihr Mist Insekten und Würmer an – echte Leckerbissen für Stare und andere Singvögel wie Rauchschwalben, Haus- und Feldsperlinge, Bachstelzen sowie Wacholderdrosseln.

ALTBÄUME ERHALTEN
Für den Schutz seiner Brutstätten gilt es vor allem alte Baumbestände an Wald- und Feldrändern oder in Alleen und Parkanlagen zu erhalten. Laubbäume und Totholz mit Spechthöhlen oder Obststämme mit ausgefaulten Astlöchern bieten meist ausreichend große Höhlen.

NISTHILFEN
Mit geeigneten Nistkästen kann die Zahl der Brutpaare in einem Gebiet stark erhöht werden. Müssen vom Star bisher genutzte Schadstellen an Hauswänden und Dächern saniert werden, sollten Hausbesitzer unbedingt mit Nistkästen Ersatz schaffen. Wird dabei auf ein ausreichend großes Einflugloch geachtet, ist der Bruterfolg sicher. Mehrere Nistkästen an einem Ort unterstützen die Ansiedlung des geselligen Vogels.

Text:LBV/NABU - Broschüre " Der Star"
Jahresvogel-Broschüre
Adobe Acrobat Dokument (2,20 MB)
Nisthilfen-Bauplan
PDF-herunterladen
Adobe Acrobat Dokument (8,4 MB)
 
SPENDENKONTO:
LBV Kreisgruppe KE/OA
IBAN: DE78733500000320219157
BIC: BYLADEM1ALG


© Landesbund für Vogelschutz - Kempten-Oberallgäu
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü