Vogel des Jahres - LBV Kempten-Oberallgäu

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letztes Update: 17.04.2017 / 18:09
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Vogel des Jahres 2017
Der Waldkauz (Strix aluco)

Aussehen

Zu erkennen sind Waldkäuze an ihrem kompakten Körperbau und dem rindenfarbigen Gefieder. Ihr großer Kopf ohne Federohren sitzt auf einem gedrungenen Rumpf. Sein freundliches Aussehen verdankt er seinen großen runden „Knopfaugen“ im dunkel umrahmten hellen Gesichtsschleier. Der stark gekrümmte Schnabel ist beim Waldkauz gelblich.

Die lautlosen Jäger werden mit 40 bis 42 Zentimetern Länge etwa so groß wie Krähen und bringen 400 bis 600 Gramm auf die Waage. Die Weibchen sind etwas größer und um ein Viertel schwerer als ihre Partner.

Unabhängig vom Geschlecht oder Alter hat ein Teil der Waldkäuze eine graubraune Grundfärbung des Federkleides, andere eine rotbraune. Man spricht von zwei verschiedenen Farbmorphen, ähnlich den unterschiedlichen Haar- und Augenfarben beim Menschen. In jedem Fall sind die Käuze durch ihr rindenfarbenes Äußeres meist gut getarnt.

Stimme

Wir hören die Rufe unseres Jahresvogels in TV-Krimis, wenn es dunkel und unheimlich wird. Im wahren Leben erklingt das lang gezogene „Huu-hu-huhuhuhuu“, wenn Waldkäuze balzen oder ihre Reviere markieren – vor allem im Herbst und Spätwinter. Fast das ganze Jahr über machen sie außerdem durch ihren Kontaktruf „ku-witt“ auf sich aufmerksam. Auch wenn meist das Männchen singt, können beide Geschlechter sowohl den Balzgesang als auch den Kontaktruf äußern, wobei der Ton des Weibchens jeweils etwas höher und heiserer klingt.
Waldkauzruf

Lebensweise

Waldkäuze sehen ausgezeichnet im Dunkeln, solange noch ein wenig Restlicht vorhanden ist. Ihre großen Augen nehmen besonders viel Licht auf, die Iris kann das einfallende Licht perfekt regulieren und garantiert so eine optimale Sichtleistung am Tage und in der Nacht. Eulenaugen sind im Gegensatz zu den meisten anderen Vogelaugen nach vorne gerichtet und ermöglichen ein räumliches Sehen. Entfernungen können so besser eingeschätzt werden.

Waldkäuze sind nur selten zu sehen. Mit etwas Glück lassen sie sich beim Sonnenbaden vor ihren Tagesschlafplätzen beobachten.

Brut


Eulen sind bereits im ersten Lebensjahr geschlechtsreif. Ab Herbst erklingt der weithin hörbare, heulende Reviergesang während der Balz: In dieser Zeit wird der Bund eines
bestehenden Brutpaares erneuert, das den Sommer über zwar im gleichen Revier, aber eher alleine verbracht hat. Fehlt ein Weibchen, muss das Männchen mit dem Gesang erst einmal eine Partnerin anlocken.

Waldkäuze brüten nur einmal jährlich. Legebeginn ist dabei je nach Witterung im Februar oder März. In Städten sind sie früher dran – oft schon im Januar – im Wald dagegen später. Ist das Nahrungsangebot schlecht, kann die Brut in einem Jahr auch ausfallen.

Das Weibchen brütet allein. Nur in den Brutpausen und zur Nahrungsübergabe kommt das Männchen hinzu. Der Waldkauz ist als strenger Wächter seiner Brut bekannt. Kreischend setzt er sich gegen Feinde zur Wehr, seine Gegenwehr erfolgt meist von hinten und ohne Vorwarnung.

Die Waldkauzmutter bleibt während der Brutzeit fest auf dem Gelege, das in der Regel aus zwei bis vier Eiern besteht, die meist in zweitägigem Abstand gelegt werden. In Ausnahmefällen befinden sich auch mal ein bis sieben Eier im Nest. Die Brut beginnt häufig schon nach der Ablage des ersten Eis und dauert für jedes Ei 28 bis 29 Tage.

Im Alter von etwa einem Monat verlassen die noch nicht flugfähigen Jungen das Nest und sitzen meist – scheinbar verlassen – auf Zweigen in Nestnähe. Sie werden dann „Ästlinge“ genannt und geben ihre Position durch ständige heisere „kszik“-Rufe kund. Zwei bis drei Wochen später sind sie flugfähig, werden aber erst mit drei Monaten selbstständig. Bis dahin kümmern sich die Eltern weiter um die Jungen.

Nahrung

Ganz oben auf dem Speiseplan unseres Jahresvogels stehen neben Maulwürfen, Ratten oder Jungkaninchen vor allem Mäuse. Sind diese Kleinsäuger nicht zu haben, weichen Waldkäuze auf Vögel aus. Gerade bei Waldkäuzen im Siedlungsraum stellen sie oft den Großteil der Nahrung.

Waldkäuze beginnen etwa zwanzig Minuten nach Sonnenuntergang mit der Nahrungssuche. Sie sind sehr wendige Ansitzjäger, aber bei der Jagd am Boden ebenso geschickt. Wirbellose und Beutetiere bis Mausgröße verschlingt der
Waldkauz vollständig, große Beute zerteilt er zumindest grob. Da Federn, Haare und Knochen nicht verdaut werden können, formt er in seinem Magen Gewölle aus Beuteresten und würgt diese wieder hervor.

Lebensraum

Als Standvogel bleibt er das ganze Jahr über in seinem Revier. Untersuchungen zufolge blieben sogar 80 bis 90 Prozent der beringten Paare zeitlebens im gleichen Umfeld. Diese Standorttreue hilft den Eulen, auch harte Winter zu überleben, kennen sie doch sämtliche Nahrungsquellen und Verstecke sehr genau.

Auch wenn sein Name anderes vermuten lässt: Unser Jahresvogel ist keinesfalls nur im Wald zu Hause, obwohl er sich in lichten Laub- und Mischwäldern am wohlsten fühlt. Als ideal gilt ein Lebensraum mit einem Waldanteil von 40 bis 80 Prozent, Lichtungen, Waldrändern und angrenzenden Feldern. Reine Nadelwälder hingegen wählt unser Jahresvogel nur selten als Brut- und Lebensraum, da es dort nicht genug Nahrung für ihn gibt.

Findet unser Jahresvogel keine geeigneten Baumhöhlen als Brutplatz, nimmt er auch ruhige Winkel von Gebäuden, Scheunen oder Nistkästen an.

Bestand

Weltweit gibt es damit etwa 700.000 bis 1,2 Millionen Brutpaare. Europaweit können zumindest in den letzten 25 Jahren keine Bestandsveränderungen festgestellt werden. Der europäische Brutbestand wird auf 530.000 bis 940.000 Brutpaare geschätzt.

Der deutsche Brutbestand beträgt nach den Daten von ADEBAR, dem aktuellen Atlas deutscher Brutvogelarten, 43.000 bis 75.000 Brutpaare. Das sind etwa acht bis neun Prozent des europäischen Bestandes. Im Vergleich zu anderen
heimischen Vogelarten ist dies ein sehr hoher Anteil. Das zeigt die große Bedeutung des deutschen Brutbestandes für den Erhalt dieser Vogelart.

Hilfe für den Waldkauz

NATURNAHER WALD
Für den Schutz des Waldkauzes gilt es in erster Linie, höhlenreiche Altholzbestände sowie bekannte Brutbäume zu erhalten und zu fördern – sowohl im Wald als auch in Parks und Gärten. NABU und LBV fordern daher „Urwälder von morgen“:
Mindestens fünf Prozent der deutschen Waldfläche sollen bis 2020 komplett nutzungsfrei bleiben. Werden die verbleibenden Flächen naturnah bewirtschaftet, findet unser Jahresvogel beste Bedingungen. Erhaltenes Totholz sichert ihm Nahrung und Versteck. Nicht abgeholzte, alte Bäume sind ideale Brutplätze für den Nachwuchs. Gerade in großen Wäldern der zahlreichen EU-Vogelschutzgebiete sollten entsprechende Maßnahmen gefördert werden. Alte Höhlenbäume in Siedlungen müssen vor der übertriebenen Umsetzung der Verkehrssicherungspflicht geschützt werden.

NISTHILFEN
Mit geeigneten Nistkästen kann die Zahl der Brutpaare in einem Gebiet stark erhöht werden. Da kleine Eulen wie Sperlings-, Raufuß- oder Steinkäuze vom Waldkauz besiedelte Reviere meiden, sollten diese Gebiete nicht gezielt gefördert werden.

KEINE MÄUSEGIFTE
Auch der Verzicht auf Mäusegifte (Rodentizide) und andere Umweltgifte in Gärten und im öffentlichen Grün hilft unserem Jahresvogel. Außerdem muss die offene Ausbringung von Mäusegift im Wald und in der Agrarlandschaft weiterhin verboten werden.

So können Sie helfen:
  • Erhalt von altem Bäumen auch im Stadtgebiet
  • Verzichten Sie auf den Einsatz von chemischen Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln
  • Abdecken von Kaminen mit Drahtgitter (für die Käuze eine Todesfalle)
  • Anbringen von Nisthilfen

Werden Sie in unserer AG-WALDKAUZ aktiv!

Text:LBV/NABU - Broschüre " Der Waldkauz"
Ansprechpartner
Thomas Blodau



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Waldkauz Webcam
zu unserer WaldkauzCam


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