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Gegen das Krähen-Gekrächz ist kein Kraut gewachsen
Gefiederte "Singles" rauben Freudental-Bewohnern die Ruhe
Kempten (pa)
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Die zwei haben das Herumschweifen
als Singles hinter sich:
Krähenpaar bei seinem Horst
im Stadtpark
Foto: Hermann Ernst
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"Spätabends ist die Hölle los," klagt Hans Hiemer, "und
in der Früh hörst du keinen Wecker, so ein Spektakel machen die."
Damit beschreibt er nicht etwa, wie man vermuten könnte, das alkoholselige
Krakeelen menschlicher Nachtschwärmer. Was Hiemer und seinen Nachbarn
im Freudental die Ruhe raubt, ist vielmehr ein großer Schwarm schwarzer
Vögel. Was tun? Den tröstend gemeinten Hinweis von Tierschützern, es
handle sich bei den Störenfrieden um äußerst seltenes und darum schützenswertes
Federvieh, kann Hiemer jedenfalls nicht mehr hören: "Die haben
leicht reden, die wohnen ja nicht hier."
Jeden Morgen zwischen 5 und 6 Uhr, beschreibt Hans Hiemer die Situation
im Bereich Freudental/Keselstraße, flattert ein Riesenschwarm nachtschwarzer
Vögel mit ohrenbetäubendem Gekrächz davon, um abends zwischen 22 und
23 Uhr ebenso lautstark wieder einzufliegen. Wohin? Irgendwo in ihr
Nachtquartier, das die Anwohner im Bereich der Tierzuchthalle vermuten.
Derartige Klagen kannte man bei der Stadtverwaltung bislang eigentlich
nur aus der Innenstadt. Denn im Bereich Stadtpark/Markthalle/Sandstraße
ist, wie mehrfach berichtet, seit vielen Jahren die südlichste Saatkrähen-Kolonie
Deutschlands beheimatet. Insgesamt 44 Brutpaare hat man dort zuletzt
gezählt. Doch wenn es auch in Kempten nicht danach aussieht: Europaweit
sind die Saatkrähen in der Tat äußerst seltene und darum besonders
streng geschützte Vögel. Als heuer im Frühjahr erstmals auch Klagen
von Freudental-Anwohnern laut wurden, vermutete man zunächst, so Uwe
Sutter vom Umweltamt, die Saatkrähen hätten im Bereich Boleitehang/Tierzuchthalle
eine neue Brutkolonie gegründet. Deshalb wurde, gemeinsam mit Brigitte
Kraft vom Landesbund für Vogelschutz, eine Begehung des gesamten Viertels
unternommen.
Die Theorie von der neuen Brutkolonie bestätigte sich dabei jedoch
nicht. Denn zwar entdeckte man drei Horste von Rabenkrähen. Die aber,
so Sutter, nicht das Problem darstellen, weil sie einzeln nisten und
nicht in Massen auftreten. Von neuen Nestern der Saatkrähen dagegen
fand sich keine Spur.
Gleichwohl wurde die Lärmquelle ausgemacht, die im Freudental für Unruhe
sorgt: Ein gefiederter Mulitikultischwarm von rund 60 Saatkrähen und
etwa 40 Dohlen. Tagsüber schwärmen sie zwecks Futtersuche aus, zum
Übernachten lassen sie sich auf dem Flachdach des Bezirkskrankenhauses
nieder.
Das klingt, wo Saatkrähen doch so imposante Horste bauen, ziemlich
unbehaust. Und genau darum, erklärt Fachfrau Brigitte Kraft, handelt
es sich auch. Denn die Freudental-Krähen seien noch nicht geschlechtsreife
Jungvögel, Singles also. Erst wenn sie einen Partner gefunden haben
(dem sie dann übrigens, anders als manch nächtlicher Ruhestörer der
ungefiederten Art, strikt monogam zugetan bleiben), schließen sie sich
einer Brutkolonie an und bauen sich ein Nest. Oder gründen auch schon
mal, wenn die Nistmöglichkeiten ausgereizt sind, eine neue Kolonie.
Bleibt nur das Prinzip Hoffnung
Unternehmen könne die Stadt, so Uwe Sutter, bei der Sachlage gegen
das Gekrächze im Freudental leider gar nichts. Würde man den Vögeln
auf irgendeine Weise das Übernachten auf dem Bezirkskrankenhaus verleiden,
ließen sie sich postwendend auf einem anderen Flachdach nieder, von
denen es in der Umgebung genügend gebe. Bleibt den Anwohnern also nur
das Prinzip Hoffnung: Dass die Jungkrähen bald ihr Singledasein beenden.
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