Presseartikel

Leserbrief an die Allgäuer Zeitung - zur AZ-Meldung:
"Kormorane leben in Bayern gefährlich" vom 19.7.2000

Bayerische Natur wird ignoriert

Die Entscheidung der Bayerischen Staatsregierung für eine Verlängerung der Jagdzeit auf den Kormoran bis Ende März muß alle Naturfreunde auf das Schwerste treffen.
Wieder wurde überdeutlich gezeigt,wie bayerische Entscheidungsträger anstatt Verantwortung für die Natur zu übernehmen,sich lieber lautstark vorgebrachten Nutzerinteressen einzelner beugen.

Der Landesbund für Vogelschutz (LBV)
wendet sich grundsätzlich gegen das sinnlose Töten von Vögeln!
Schüsse am Gewässer bedeuten für alle auf und am Wasser lebenden oder rastenden Tiere,v.a. Vögel,massivste Beunruhigung.Da im März viele Vögel bereits mit ihrer Brut begonnen haben,werden durch die geplanten Kormoran-Abschüsse auch andere,
z.T. seltene Vogelarten bedroht!

In Bayern ist der Kormoranbestand sehr konstant.Da sich Kormorane täglich zum Schalfen an festen Schlafplätzen versammeln ,ist der Bestand durch synchronisierte Zählungen flächendeckend und vollständig erfassbar.Es brüten jährlich ca. 270 Paare in ganz Bayern ,überwiegend an der Donau und in Oberbayern.
In Herbst und Winter ziehen Kormorane aus Dänemark als Wintergäste durch Bayern.
Der Kormoran ist eine ans Fischen hervorragend angepasste Vogelart.
Sein Körper ist groß und schlank,sein Gefieder schwarz und nicht imprägniert,so daß man ihn meist mit zum Trocknen aufgespreizten Flügeln wie einen Wappenadler auf Bäumen und auf Felsen sitzend beobachten kann.
Schwärme fliegen oft in "V"-Formation wie Gänse.

Als Fischfresser lebt er am Wasser und verzehrt einen Fisch mit allem drum und dran samt Schuppen.
Wird der Kormoran aufgestört ,z.B. durch Bejagung,hat er durch die Fluchtanstrengung einen großen Kalorienverlust.
Um im Winter zu überleben muß er,wie alle Tiere auf der Flucht,seinen Nahrungskonsum bis auf das Doppelte steigern.

Bereits seit 10 Jahren laufende Untersuchungen - übrigens in Zusammenarbeit von LBV und Landesfischereiverband - zeigen immer deutlicher, daß fischfressende Vogelarten nu ein Bruchteil der Ursache sind,die zur Reduzierung von Fischbeständen führen.
Die Untersuchungen bestätigen,daß eine Bejagung ,selbst eine völlige Ausrottung fischfressender Vogelarten die Fischbestände kaum verbessern könnte.Völlig unverständlich ist daher die neue Jagdverordnung.
So bleibt nur noch die Hoffnung,daß die Allgäuer Jäger vor Ort mehr naturschutzfachliche Vernunft haben als ihre Bay. Gesetzgeber und zumindest während der Vogel-Brutzeit im März
auf den Kormoranabschußin Uferbereichen verzichten.

LBV -Kreisgruppe Kempten/Oberallgäu

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