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Bitte Hände weg von jungen Vögeln
Vogelschutzbund fordert: Kleine Nestflüchter auf keinen Fall mitnehmen
Oberallgäu(hcr).
Jungvögel, die benommen am Wegrand sitzen oder unbeholfen durchs Gras
hüpfen, werden nicht selten von mitleidigen Menschen im gelöcherten
Schuhkarton mit nach Hause genommen. Doch diese Helfer wissen nicht,
dass sie gerade durch ihre vermeintlich gute Tat die Tiere oft dem
Tod weihen. Denn nur selten gelingt es, die scheinbar von ihren Eltern
verlassenen Piepmätze aufzupäppeln und wieder in die Freiheit zu entlassen.
"Bitte Hände weg von jungen Vögeln", raten daher die Vogelschützer.
Die Aufzucht so eines gefiederten Pflegekinds ist sehr schwierig, erklärt
Leo Hradek vom Landesbund für Vogelschutz: "Man müsste die hungrigen
Vögel mindestens alle halbe Stunde füttern. Und wer hat schon soviel
Zeit?" Auch wissen die unerfahrenen "Retter" oft nicht,
welches Futter die einzelnen Vogelarten zum Überleben brauchen. Zudem
könne man einen wilden Vogel nicht so einfach im Käfig oder in einer
Wohnung halten, warnt der Experte. Deshalb gehen die Pfleglinge trotz
aller Mühen meist ein. Anstatt die "verwaisten" Tiere mitzunehmen,
soll man sie dort liegen lassen, wo man sie gefunden hat, bitten die
Vogelschützer.
Denn die Jungtiere sind Nestflüchter, die ihre Brutstatt oft schon
verlassen, bevor sie flügge sind. "Die Elterntiere füttern ihren
Nachwuchs aber auch dann weiter. Jungvögel, die zum Beispiel Kinder
heimbringen, sollten deshalb schnell wieder an den Fundort gebracht
werden. Dabei kann man die Nestflüchtlinge unbeschadet anfassen, weil
sich die Elterntiere - anders als etwa Hasen oder Rehe - optisch orientieren,
und nicht nach dem Geruch. Der gefiederte Nachwuchs findet sich dann
schnell wieder zurecht und wird von den Eltern weiter gefüttert.
Dass Vogelfamilien selbst dann wieder zusammenfinden, wenn sich der
Mensch in ihre Belange einmischt, zeigt ein Erlebnis von Leo Hradek:
Nachdem vier junge Schwalben mitsamt ihrem Nest sechs Meter tief gefallen
waren, hat er sie aufgesammelt und in einem leeren Nest in der Nähe
untergebracht. Und sobald er weg war, fingen die Altvögel gleich wieder
an, die Kleinen zu füttern. Am Turm der evangelischen Kirche in Immenstadt
hat der Vogelfreund auch schon oft junge Mauersegler aufgelesen, die
aus dem Nest gefallen waren. Und selbst wenn er sie fremden Eltern
"untergeschoben" hat, wurden sie von denen angenommen. Hilflos
sind Vögel auch, die gegen eine Wand oder ein Fenster geflogen sind.
Sie sind benommen und sehen oft aus wie tot. Werden sie aber in Ruhe
gelassen, erholen sie sich in der Regel innerhalb von einer bis eineinhalb
Stunden wieder, weiß Leo Hradek aus Erfahrung. Man sollte die erschöpften
"Bruchpiloten" deshalb einfach in eine ruhige Ecke des Balkons
legen, etwas Wasser auf ihren Schnabel träufeln - und natürlich Katzen
und Hunde fernhalten. Manchmal müsse man hilflose Tiere aber auch einfach
der Natur überlassen, fordert der Tierfreund - "auch wenn es weh
tut."
So sollte man zum Beispiel Jungvögel auch dann nicht nach Hause mitnehmen,
wenn ihre Eltern gestorben sind. Denn das verlängere oft nur deren
Leidenszeit und führe dann doch meist zum Tod. |