Presseartikel

Allgäuer Zeitung vom 07.09.2004


Mehr als 20 Fledermäuse besetzten das Wohnzimmer

Kempten (AZ)
Ein Schwarm Fledermäuse hat einen Hausbesitzer in Kempten aus dem eigenen Wohnzimmer vertrieben. Zu Hilfe gerufene Polizeibeamte galubten zunächst an einen Scherz, stellten dann aber fest, dass sich in dem Zimmer mehr als 20 Fledermäuse in der Größe einer Handfläche neidergelassen hatten. Die meisten flüchteten durch ein geöffnetes Fenster. Die übrigen Tiere, die sich hinter Bildern und Vorhängen versteckt hatten, mussten zuerst aufgescheucht werden, teilte die Polizei am Montag mit.

Allgäuer Zeitung vom 08.09.2004

Plötzlich 20 Fledermäuse im Zimmer

Sieht gefährlich aus, ist aber völlig harmlos:
das Große Mausohr, eine der Fledermausarten,
die in der Region vorkommen - Foto: A. Zahn

Kempten (sf)
Schreck um 1 Uhr nachts: Rund 20 Fledermäuse flatterten plötzlich aufgeregt im Wohnzimmer eines 78-jährigen Kempteners umher, als dieser vor dem zu Bett gehen, das Fenster schließen wollte ( wir berichteten ). "Ich kam mir vor wie in einem Hitchcock-Film", erzählt der Rentner aus der Rottachstraße. Mit Hilfe von vier Polizisten vertrieb er die Fledermäuse aus seiner Wohnung.
"Das ist zurzeit nicht ungewöhnlich, die Tiere sind auf Quartiersuche", weiß Thomas Blodau, Fledermaus-Experte vom Landesbund für Vogelschutz ( LBV ).

Für den 78-jährigen, der im sechsten Stock eines Mehrfamilienhauses in der Rottachstraße wohnt, war das unvermittelte Zusammentreffen mit der großen Schar von Flugtieren allerdings schon ungewöhnlich. Als er das Licht im Wohnzimmer anmachte, um dort das gekippte Fenster zu schließen, faltterten rund 20 Fledermäuse von der Größe einer Handfläche um ihn herum. "Da habe ich natürlich einen gehörigen Schreck bekommen und bin wieder aus dem Zimmer gerannt", erinnert sich der Rentner, der jetzt über die unheimliche Begegnung schon wieder lachen kann.
Auf der Suche nach Hilfe rief der Mann die Polizei an, die zwar zunächst etwas ungläubig gewesen sei, aber gleich eine Streife mit vier Beamten vorbeischickte. Die staunten nicht schlecht über die Fledermaus-Invasion. Sie öffneten weit das Fenster, worauf ein Großteil der Tiere ins Freie flog. Mit vereinten Kräften wurden die verbliebenen Fledermäuse, die sich im Vorhang und hinter einem Bild versteckt hatten, aus dem Raum gescheucht.
"Nach der Beschreibung könnte es sich um Abendsegler oder Große Mausohren gehandelt haben", meint Blodau vom LBV. Diese Arten würden sich an Flüssen oder Weihern aufhalten, weil sie dort ein großes Nahrungsangebot an Insekten vorfänden. Von den Abendseglern gebe es eine große Kolonie an der Iller - also in der Nähe der Rottachstraße.
Fledermäuse würden immer wieder ihr Quartier wechseln und seien gerade im August und September auf Suche. Vermutlich, so Blodau, habe es sich um junge und unerfahrene Tiere gehandelt, die das gekippte Fenster als Eingang ansahen. Eigentlich bevölkern Fledermäuse Baumhöhlen, Felsritzen, aber auch Dachstühle oder Spalten zwischen den Hausverkleidungen höherer Häuser.
Und was soll man tun, wenn sie sich ins Wohnzimmer verfliegen? Blodau: "Am besten ruhig bleiben, das Licht löschen und das Fenster weit öffnen." Dann würden die Tiere von selbst wieder rausfliegen. Nachzügler könne man mit einem Handschuh umfassen ( "aber nicht die empfindlcihen Flügel allein packen" ) und aus dem Zimmer tragen. Denn die Tiere seien völlig harmlos.
Bei Problemen mit Fledermäusen hilft die Fledermaus-Gruppe des LBV
Telefon:0831/91475 oder 08327/931099;
Internet: www.lbv-kempten-oberallgaeu.de

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